Eigenbau – Motorradanhängerkupplungen

Im Jahre 1991 machten wir mit einem befreundeten Pärchen einen gemeinsamen Urlaub in Österreich am Tunersee.
Wie schon so oft, drehten sich unsere Männergespräche mal wieder um die Packleidenschaften unserer Frauen und die damit verbundene Frage:
„Wohin damit auf dem Motorrad???"

  Also reifte der Entschluss, einen Anhänger hinter dem Motorrad zu ziehen. Ein paar Monate später erwarb ich dann einen Squire D18 mit einer Anhängerkupplung passend für mein GL-1100-Gespann. Beim darauffolgenden Treffen hatten wir dann (dank dem Anhänger) Luxuscamping vom Feinsten. Einige Stammtischkollegen fragten nun ganz beiläufig, ob die Kupplung nicht auch was für „Sie“ wäre, und so fingen wir an, die Anhängerkupplungen selber zu bauen. Am 05. Juli 1996 bekam ich vom RWTÜV Soest das erste eigene Gutachten (gem. §13 Fahrzeugteileverordnung FzTV) über eine Kupplungskugel mit Halterung für eine Honda (USA) SC 02 mit einer zul. Stützlast von 20 kg und einer zul. Anhängelast von 225 kg. Und das alles ganz ohne Probleme!!!

  Also konnte es weitergehen. Wir schweißten uns einen Bock als Schablone und waren jetzt in der Lage, jederzeit eine neue Kupplung (Materialpreis ca. 30,- DM) herzustellen, aber leider immer nur für die GL1100. Das rief nun die GL1200 Fahrer auf den Plan, nach dem Motto: „Was ist mit uns“??? Also schweißten wir an unsere GL1100 Schablone einige zusätzliche Richtpunkte und schon waren wir in der Lage, auch für die GL1200 jederzeit eine neue passende Anhängerkupplung anzufertigen.

  Dann gab es Anfang des Jahres 2006 neue Gesetzesvorlagen über die Motorradanhängerkupplungen und alles war erst einmal hinfällig geworden. Viele Versuche wie beim TÜV in Soest, Neheim, Werl, Dortmund und auch beim TÜV – Hamm, schlugen fehl und die Sache schien für mich schon so gut wie aussichtslos. Nach unzähligen Telefonaten und viele Wochen später fand ich dann aber doch letztendlich in einiger Entfernung einen TÜV-Ingenieur, der uns die Anhängerkupplungen wieder ohne Probleme abnahm. (Gott sei Dank gibt es sie noch: „kompetente TÜV - Prüfer mit Fachkenntnis“.)

  Aber was nutzten mir persönlich die GL1100 oder GL1200 Anhängerkupplungen, ich hatte nun mittlerweile ein GL1500 Gespann ohne eine Anhängerkupplung. Ich telefonierte also wieder mal mit meinem TÜV-Ingenieur und erzählte ihm von meinem neuesten Vorhaben. Eine Anhängerkupplung auf der Mitte des Gespannes, um eine höhere Zuglast eingetragen zu bekommen. Als erstes wollte er von mir mehrere Fotos von anderen vergleichbaren Kupplungen, ein paar Konstruktionszeichnungen, Kopien von GL1500er Fahrzeugbriefen mit eingetragener Anhängerkupplung und ein paar Gutachten von verschiedenen Anhängerkupplungen an GL1500 Gespannen. Dies alles ließ ich ihm dann auch nach und nach per E-Mail zukommen. In einem weiteren Telefonat bekam ich dann das „OKAY“ von ihm und baute mir nun eine eigene Anhängerkupplung für mein GL1500 EML-GT3e Gespann. Nach nur zwei Tagen war sie fertig und weitere zwei Tage später war sie schon mit 300kg zulässiger Gesamtzuglast und 15kg Stützlast in meinem Fahrzeugschein eingetragen.

  An dem Tag als ich mit meiner GL1500 zum Abnahmetermin fuhr, begleitete mich ein Stammtischkollege mit seinem CBR Jewell Gespann, der auch an einer Anhängerkupplung interessiert war. Auch das war kein Problem und als wir zum Abnahmetermin des CBR Jewell Gespann fuhren, begleitete uns ein Z1300 Kawasaki EML Gespann und ein GL1500 Hannigan Gespann.

  Wieder ein paar Wochen später baute ich eine für ein GL1200 EML-GT3 und eine für ein GL1500 EZS TPL Gespann. Und auch diese Anhängerkupplungen bekamen alle ihren Tüv-Segen ohne Probleme. Usw. Usw. Usw......................

Hier seht ihr nun Fotos von unseren Anhängerkupplungen. Seit 1996 bauen wir die Anhängerkupplungen für auf die Mitte eines Solomotorrades.

Im Jahre 2006 entstanden die ersten Anhängerkupplungen zwischen der Maschine und dem Beiwagen. Dadurch bekamen wir ein erhöhtes Zuggewicht eingetragen.

Natürlich bauen wir auch heute noch, immer bei Bedarf, für unsere Solofahrer eine Anhängerkupplung auf die Mitte der Maschine.

Aber die Meisten von uns wollen eine Anhängerkupplung zwischen dem Motorrad und dem Beiwagen. Das ist aus vielen Gründen von Vorteil und vor allem Kostengünstiger.

Und die Kupplungsnachfrage nimmt kein Ende. Deshalb werdet ihr hier immer mal wieder ein neues Foto von einer Anhängerkupplung unserer Clubmitglieder finden.

Mit freundlichen Grüßen

Eugen Michel